Ein Seelsorger mit Strahlkraft

Festlicher Abschiedsgottesdienst für Johannes Brandt

Dankbar, gerührt und nachdenklich zeigte sich Johannes Brandt beim festlichen Gottesdienst in der Heidelberger Jesuitenkirche zu seiner Verabschiedung am 21. September.

Eine ‚Segenskette‘ bildeten die Mitglieder des Seelsorgeteams und des Pfarrgemeinderats zusammen mit der ganzen Gottesdienstgemeinde, um Johannes Brandt für seinen weiteren Weg den Rücken zu stärken. Sichtlich gerührt und dankbar ließ der scheidende Pfarrer dieses Ritual geschehen.
 
Im Herbst 2008 war Brandt in die Kurpfalz gekommen, zunächst als Leiter der Seelsorgeeinheit Christophorus im Westen der heutigen Stadtkirche, seit 2015 trug er Leitungsverantwortung für die Stadtkirche, zuletzt fungierte er auch als Dekan des Dekanats Heidelberg-Weinheim.
Ein nachdenklicher Blick in die Zukunft
In seiner Predigt ließ der scheidende Stadtpfarrer und Dekan noch einmal Stationen seines 17-jährigen Wirkens in Heidelberg, Eppelheim und im Dekanat Heidelberg-Weinheim Revue passieren. Eingebettet war dieser Rückblick in eine Diagnose der aktuellen Situation der Kirche hierzulande. Diese überschrieb er mit dem Titel des aktuellen Buches des Pastoraltheologen Jan Loffeld: „Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt!“ Nachdenklich fiel darum sein Blick in die Zukunft aus: „Wenn trotz vielfacher Bemühungen die religiöse Erosion unserer Gesellschaft fortschreitet, wenn sich – soziologisch betrachtet – weitere Säkularisierungsschübe überhaupt nicht aufhalten lassen – und das ist wohl die Realität –, dann braucht es ein anderes Bild und Verständnis von Kirche. Dann sind die weniger werdenden Christen gefordert, der Gemeinschaft von Kirche eine Ausstrahlung zu verleihen, die Strahlkraft hat.“
Seelsorger mit herausragenden Gaben
Dass Johannes Brandt, 1964 in Eschweiler im Rheinland geboren, ein Mensch und ein Seelsorger mit Strahlkraft ist, zeigte allein schon der Blick in die vollbesetzte Jesuitenkirche. So viele Freunde, Weggefährtinnen, Personen des öffentlichen Lebens, Christinnen und Christen aus allen Gemeinden der Stadtkirche und darüberhinaus waren gekommen, dass nicht alle einen Sitzplatz in der Jesuitenkirche fanden.
In vier Grußworten kam diese Strahlkraft des Johannes Brandt zur Sprache: „Du hast deine Ämter nie als Titel sondern als Aufgabe verstanden, die du mit Herz, Verstand und Humor ausgefüllt hast“, bescheinigte ihm der stellvertretende Dekan Klaus Rapp. Er sei ein Teamplayer und mit herausragenden Gaben als Seelsorger ausgestattet, dem es immer darum gegangen sei, Einheit in der Vielfalt zu ermöglichen, stellte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Daniela Seehaus fest. Oberbürgermeister Eckart Würzner adelte Johannes Brandt als eine „Persönlichkeit, die Heidelberg geprägt hat“. Citykirchenpfarrer Vinzenco Petracca nannte Brandt einen Brückenbauer und dankte für die kollegiale und vertrauensvolle ökumenische Zusammenarbeit.
"... ich verstand die Sprache"
Brandt lenkte den Blick zurück in das  Jahr 2008. Damals sei es nach acht Jahren in der Priesterausbildung sein Wunsch gewesen, Gemeindepfarrer zu werden. Er habe die Wahl zwischen zwei Stellen gehabt: im Südschwarzwald oder hier in der Kurzpfalz. 
Nach einem Besuch in Heidelberg und Eppelheim – inkognito noch – war klar: „Das könnte passen. Die Leute: sympathisch, direkt – ich kam mir vor wie in meiner Heimat im Rheinland, und ich verstand die Sprache!“ Hier konnte er sich gut vorstellen, „nahe bei den Menschen zu sein, mit ihnen Gottesdienste und die Sakramente zu feiern und bei entscheidenden Lebensstationen wie Taufe, Hochzeit oder Beerdigung Menschen zu begleiten und in ihrem Glauben zu stärken.“ Es sei bis heute eine erfüllende Aufgabe für ihn, in dieser Weise für Menschen da sein zu können.
Brandt betonte aber auch, dass diese Jahre durch zahlreiche Krisen geprägt waren: Missbrauchsskandal, Rückgang der Mitgliederzahlen und Corona sowie durch strukturelle Veränderungen, die jetzt in der Aufhebung der Dekanate und die Gründung der neuen Großpfarreien mündeten.
Kirche geht nur im Miteinander
Ein großer Teil seiner Ansprache war dem Dank gewidmet; lang war die Liste von Gruppen und einzelnen Personen, die er nannte. Offensichtlich nicht aus Pflichtgefühl, sondern im ehrlichen Bewusstsein, dass Kirche nur im Miteinander und in der Verbindung zu Jesus Christus gestaltet werden kann. „Danke sagen möchte ich allen, die mich auf meinem Weg und in meiner Arbeit hier in diesen Jahren begleitet, gestärkt und ermutigt haben. Ich habe es als Privileg erlebt, mit Ihnen allen Kirche Jesu Christi hier im Dekanat, in Heidelberg und Eppelheim gestalten zu dürfen.“
Beim Abschiedsgottesdienst: Hannah Gniot, Klaus Rapp, Johannes Brandt und Daniela Seehaus; im Hintergrund die Cappella Palantina unter Leitung von Markus Uhl.
Der Wortgottesdienst zur Verabschiedung des Musikliebhabers und -kenners Johannes Brandt war natürlich ein höchst musikalischer Gottesdienst. Die Cappella Palatina unter Leitung von Bezirkskantor Markus Uhl bereicherte die Feier mit vier Stücken: einem Kyrie von Palestrina, zwei Motetten von Mendelssohn Bartholdy sowie der Amen-Fuge aus Händels Oratorium „Der Messias“.
Mit dem Gottesdienst wurde das abschließende und dankbare ‚Amen‘ zum Wirken von Johannes Brandt in Stadtkirche und Dekanat gesprochen. Dieses Wirken wird in Kürze in Heidelbergs Nachbarstadt Mannheim weitergehen. Dort wird Brandt die neue Pfarrei St. Sebastian als stellvertretender Pfarrer mitgestalten.