Michael

Namenstage: Michael

Funktion: Heiliger, Erzengel

Gedenktag: 29. September

orthodoxe Ostkirchen 8. November

Patronat: Bayern; der katholischen Kirche und der Kirchhöfe; der Deutschen; der nach ihm benannten Ordensgemeinschaften; der armen Seelen, Sterbenden; der Apotheker, Eicher, Gewichtemacher und Waagenhersteller, Kaufleute, Bäcker, Bankangestellten (seit 1958), Drechsler, Glaser, Maler, Radiofachleute (seit 1958), Schneider, Soldaten, Vergolder, Blei und Zinngießer; gegen Unwetter und Blitzschlag; für einen guten Tod

Michael ist der höchste Engel, der Engelsfürst. Zusammen mit Raphael und Gabriel steht er an Gottes Thron. Seine Aufgaben sind das Bewahren der himmlischen Schlüssel, das Überbringen der göttlichen Weisungen, das Beschützen der Kirche, aber auch die Fürsprache für die Menschen bei Gott und ihr Geleit in das Jenseits. Als Anführer der Engelschar vertrieb er einst den aufrührerischen Luzifer, der seitdem als Teufel in der Hölle residieren muss, und er wird ihn beim Jüngsten Gericht endgültig besiegen. Adam und Eva wurden von ihm des Paradieses verwiesen.
Schon 709 entstand unter Bischof Autbert von Avranches die Kirche Mont St. Michel auf einer Insel in der späteren Normandie, die zuvor ein keltisches Heiligtum krönte. Die Normannenherzöge, die Michael als Kriegspatron verehrten, bauten die Kapelle zum Kloster mit der heutigen Kirche aus. Während des Hundertjährigen Krieges konnte die Insel von den Engländern nie erobert werden und wurde so zum nationalen Symbol für Frankreich. Später diente es bis 1853 als Gefängnis und entging so Ende des 18. Jahrhunderts den Zerstörungen der Französischen Revolution. Seit 1966 leben wieder Mönche auf der Insel, die mit ihrem imposanten Bauwerk seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Nach Zentraleuropa kam die Verehrung Michaels durch die Langobarden in Italien, deren Schutzpatron er war, und aus Westen durch die angelsächsischen Missionare. Im Zuge der Christianisierung des ostfränkischen Reiches wurde Michaels Fest auf dem Konzil von Mainz 813 durch Ludwig den Frommen (Heiliger) auf die Woche ab Herbstbeginn festgelegt. Hier ersetzte er die Verehrung des germanischen Gottes Wotan. Die Tatsache, dass Michael oft recht martialisch dargestellt (Schwert, Lanze, Rüstung) und Gottes oberster Heerführer ist und dem Kriegsgott Wotan auch durch das Geleit der Verstorbenen ins Jenseits gleicht, mag den Heiden die Übernahme erleichtert haben. Unter den vielen dem Heiligen Michael geweihten Bergkirchen werden oft alte Kultstätten für Wotan vermutet. Sein Patronat für das Fränkische Reich setzte sich über das des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bis in unsere Tage fort, wo er als Schutzheiliger Deutschlands (»der deutsche Michel«) angesehen wird.
Der Michaelistag (29. September) kennzeichnete für die Bauern das Ende des Sommers. Viele Bauernregeln nehmen Bezug auf diesen Tag, z. B.:
»Kommt Michael heiter und schön, wird es noch vier Wochen so weitergeh’n.«
»Bringt St. Michael Regen, kannst Du gleich den Pelz anlegen.«
»Regnet’s sanft am Michaelstag, sanft auch der Winter werden mag.«

Darstellung: in langem, weißem Gewand; allein oder mit Gabriel; vor allem als Begleiter oder neben dem Thron Gottes, als Wächter (an Kirchenportalen) und als Seelenführer; in Ritterrüstung als Anführer des Engelheeres im Kampf gegen Luzifer und dessen Teufel

Attribute: flammendes Schwert, Seelenwaage, Drache

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010